SCHACHT International: Export nach Brasilien

– English version below –

Export nach Brasilien: Chancen und Herausforderungen

Brasilien als eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt und mit einem BIP von 1,4 Billionen USD sowie einem Pro-Kopf-Einkommen von 8.600 USD, zählt Brasilien zu einem der größten und wirtschaftlich attraktivsten Länder der Erde. Doch welche Herausforderungen stehen bevor, wenn man ein Produkt nach Brasilien exportieren möchte?
Welche Produkte werden am häufigsten eingeführt?
Brasilien als die größte Wirtschaftsmacht in Lateinamerika hat eine enge Handelsbeziehung mit Deutschland, insbesondere Süddeutschland. Zu den wichtigsten Handelsgütern zählen vor allem:

  • Maschinen
  • Fahrzeuge
  • Kfz-Teile
  • Chemische Produkte
  • Pharmazeutische Erzeugnisse
  • Elektronik / elektronische Bauteile

1. Bedarf es ein Visum für Geschäftsreisen nach Brasilien?

Nein, grundsätzlich brauchen Sie als EU-Bürger, seit dem Abkommen zwischen der europäischen Union vom 01.10.2012, kein Visum für geschäftliche Reisen nach Brasilien soweit sie die Dauer von 90 Tage nicht überschreitet.
Sind mehrere Aufenthalte in Brasilien geplant, die entweder die 90-Tage Dauer überschreiten oder innerhalb von 6 Monaten stattfinden sollen, bedarf es stets ein Visum für geschäftliche Reisen. Ein solches Visum kann mittels Online-Antrag oder persönlich beim General Konsulat der Föderativen Republik Brasilien in Frankfurt beantragt werden. Die Bearbeitungszeit hierfür beträgt etwa 1-2 Wochen.
(Etwaige Einreisebeschränkungen aufgrund COVID-19 sind nicht auszuschließen und müssen stets kurz vor Abreise nachgeschaut werden, da sich hier die Informationslage täglich ändert.)

2. Gibt es Einfuhrbeschränkungen für den Export nach Brasilien?

Einfuhrbeschränkungen sind in Brasilien für bestimmte Produkte/ Produktgruppen vorhanden. Etwas bei Arzneimitteln, welche registriert und zertifiziert werden müssen, um für den Import berechtigt zu sein. Bei der Einfuhr von gebrauchten Maschinen muss stets eine nicht automatische Einfuhrlizenz beantragt werden und die gebrauchte Maschine darf nicht selbst in Brasilien herstellbar sein. Ob und ggf. wie ein bestimmtes Produkt betroffen ist, muss stets im Einzelfall beurteilt werden.
Einfuhrverbote geltend aus Umweltschutzgründe grundsätzlich für:

  • gebrauchten Fahrzeugen (Außer Gebrauchtwagen, die älter als 30 Jahre sind)
  • gebrauchten Reifen
  • Rückständen von Amiant (Asbest)
  • Rückständen aus Erdöl oder Öl aus bituminösen Mineralien
  • bleihaltigen oder anderen giftigen Schlacken
  • verschiedenen weiteren Rückständen z.B. von pharmazeutischen Produkten oder Chemikalien

Um Waren in Brasilien einzuführen, bedarf es einerseits der Genehmigung des Bundesfinanzamtes von Brasilien und zum anderen muss den Import eine berechtigte brasilianische Firma oder dessen Schwester- oder Tochtergesellschaft vollziehen. Hierfür muss das Unternehmen im elektronischen Außenhandelssystem (SISCOMEX) eingetragen sein. Für die Anmeldung der Waren ist der Importeuer verantwortlich. Dies ist mit weiteren Kosten für diese Dienstleistung verbunden. Falls Sie den Import selbst übernehmen wollen, muss hierfür eine brasilianische Firma gegründet werden, da ausländische juristische Personen nicht berechtigt sind Waren selbst einzuführen.

3. Welche Zölle werden beim Import in Brasilen berechnet?

Brasilien ist sowohl Mitglied in der WTO (World Trade Organization) als auch Gründungsmitglied des Mercosur (eine Südamerikanische Handelsgemeinschaft). Auch hat Brasilien mit Inbetriebnahme des DUIMP eine einheitliche Warenanmeldung geschaffen. All dies erleichtert die Einfuhr etwas. Durch die Mitgliedschaft im Mercosur haben alle Mitglieder einheitliche Zollabgabe. Trotz der einheitliche Zollabgabe hat Brasilien für mehrere Produkte Ausnahmen geschaffen, welche die Zölle erheblich senken oder erhöhen. Etwa bei Kraftfahrzeugen mit einem Hubraum von 1000cm3 oder weniger (auch bei Fahrrädern) beträgt der Standardsatz 20% und in Ausnahmefällen können die Zollabgabe 35% betragen. Die Zölle werden anhand des CIF-Wertes berechnet. Hierbei werden Warenwert, Transportkosten, Versicherungskosten und etwaige sonstige Kosten des Exportes zusammenaddiert, um hierauf die Zollabgabe zu berechnen. Die Zollabgabe sind jedoch nicht die einzigen Kosten, die bei der Einfuhr nach Brasilien entstehen.
Weiter Kostenpunkte sind: (Berechnungsgrundlage ist der CIF-Wert)

  • IPI (Steuer auf Gewerbeerzeugnis): Diese Steuer ist produktspezifisch und kann zwischen 0 (Bsp. Chemische Erzeugnisse) und 300 % (Bsp. Zigarren) liegen.
  • IMCS (Warenumsatzsteuer): Hier kommt die Höhe der Steuer auf das bestimmte Bundesland an wobei die Steuer regelmäßig zwischen 17 – 18 % liegt. Auch hier kann es Ausnahmen in Form einer niedrigeren (7 – 12 %) oder höheren (25 – 28%) Steuer geben.
  • Sozialabgaben: Bei der Einfuhr von Waren nach Brasilien werden weiterhin Sozialbeiträge erhoben, welche regelmäßig 2,1(PIS)/ 9,65 % (COFINS) betragen. Ebenfalls gibt es hier Ausnahmen etwa bei der Einfuhr von PKW beträgt die Abgabe 2,62/12;57 %.
  • Handelsmarinegebühren: Werden die Produkte über den Seeweg importiert, werden ca. 25 % auf die Frachtkosten für die Erweiterung der Handelsmarine erhoben.

4. Welche rechtlichen Unterschiede zum deutschen Recht sind vorhanden?

Grundsätzlich ist das römische Recht als Grundlage der brasilianischen Rechtsordnung, wie es für Deutschland der Fall ist. Dennoch gibt es rechtliche Unterschiede, die bei der Einfuhr und Handel in Brasilien beachtet werden müssen. Falls eine Gesellschaft gegründet werden soll, kann hierfür eine Limitada (brasilianische GmbH) angestrebt werden. Im Gegensatz zur GmbH bedarf es für die Gründung kein Mindestkapital, auch kann die Limitada von einer Person gegründet werden. In besonderen Fällen kann auch ein Durchgriff auf das Privatvermögen des Geschäftsführers stattfinden. Dieses Risiko kann jedoch mittels einer Zwischenholding gemindert werden. Ähnlich zum deutschen Recht wird dem Arbeitnehmerschutz in Brasilien einen hohen Stellenwert bemessen. Es ist gründlich auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zu achten, um kostspielige Gerichtsverhandlungen und ggf. hohe Entschädigungen zu vermeiden. Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 44 Stunde pro Woche im Gegensatz zu 48 Stunde in Deutschland. Auch muss der Grundlohn jährlich um einen vereinbarten Prozentsatz erhöht werden. Ebenfalls haben brasilianische Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Zuletzt ist zu beachten, dass die steuerliche Belastung im Vergleich zu Deutschland etwas höher ausfällt und seit 2006 kein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Brasilien und Deutschland besteht.

5. Fazit

Trotz der vielen Hürden, die solch ein Export nach Brasilien mit sich bringt, ist der Handel mit Brasilien äußert attraktiv, da Brasilien ein wichtiger Global-Player und Handelspartner von Deutschland ist. Falls eine dauerhafte Niederlassung in Brasilien geplant wird, ist die Gründung einer brasilianischen Gesellschaft sehr zu empfehlen. Hierdurch können eine Vielzahl an Kosten gespart werden und den Import nach Brasilien hierdurch schneller und einfacher gestalten.

Exporting to Brazil: Opportunities and Challenges

Brazil, as one of the most populous countries in the world, with a GDP of 1.4 trillion USD and a per capita income of 8,600 USD, is one of the largest and economically most attractive countries in the world. But what challenges do you face when you want to export a product to Brazil.

1. Which products are imported most frequently?

Brazil, as the largest economic power in Latin America, has a close trade relationship with Germany and especially southern Germany. Among the most important trade goods are mainly:

  • Machinery
  • Vehicles
  • Automotive parts
  • Chemical products
  • Pharmaceutical products
  • Electronics / electronic components

2. Do I need a visa for business trips to Brazil?

No, in principle, you as an EU citizen, since the agreement between the European Union of 01.10.2012, do not need a visa for business trips to Brazil as long as they do not exceed the duration of 90 days.
If several stays in Brazil are planned, either exceeding the 90-day duration or within 6 months, a visa for business travel is always required. Such a visa can be applied for online or in person at the Consulate General of the Federative Republic of Brazil in Frankfurt. The processing time for this is about 1-2 weeks.
(Possible entry restrictions due to COVID-19 cannot be excluded and must always be checked shortly before departure, as the information changes daily).

3. Are there import restrictions for export to Brazil

There are import restrictions in Brazil for certain products/product groups. For example, pharmaceuticals, which must be registered and certified to be eligible for import. When importing used machinery, a non-automatic import license must always be applied for, and the used machine must not be manufacturable in Brazil itself. Whether and, if so, how a particular product is affected must always be assessed on a case-by-case basis.
Import bans apply for environmental protection reasons in principle for:

  • used vehicles (except used cars older than 30 years)
  • used tires
  • residues of amiant (asbestos)
  • residues of petroleum or oil from bituminous minerals
  • lead-containing or other toxic slags
  • various other residues, e.g., of pharmaceutical products or chemicals.

To import goods into Brazil, the authorization of the Federal Revenue Service of Brazil is required on the one hand, and on the other hand, the import must be carried out by an authorized Brazilian company or its sister or subsidiary company. For this purpose, the company must be registered in the electronic foreign trade system (SISCOMEX). The importer is responsible for the registration of the goods. This involves additional costs for this service. If you want to do the import yourself, a Brazilian company must be established for this purpose, as foreign legal entities are not authorized to import goods themselves.

4. What customs duties are charged when importing in Brazil

Brazil is a member of the WTO (World Trade Organization) as well as a founding member of Mercosur (a South American trade community). Brazil has also created a uniform declaration of goods with the commissioning of the DUIMP. All this makes importation somewhat easier. By being a member of Mercosur, all members have uniform customs duty. Despite the uniform customs duty, Brazil has created exceptions for several products that significantly reduce or increase customs duties. For example, for motor vehicles with an engine capacity of 1000cm3 or less (including bicycles), the standard rate is 20% and in exceptional cases the duty can be 35%. Customs duties are calculated based on the CIF value. The value of the goods, transport costs, insurance costs and any other costs of export are added together to calculate the customs duty. However, customs duty is not the only cost incurred when importing into Brazil.
Further cost items are: (basis of calculation is the CIF value)
– IPI (Industrial Products Tax): This tax is product specific and can range from 0 (ex. chemical products) to 300% (ex. cigars).
– IMCS (Goods Sales Tax): Here the amount of the tax depends on the particular state and the tax is regularly between 17 – 18 %. Again, there may be exceptions in the form of lower (7 – 12%) or higher (25 – 28%) tax.
– Social taxes: Social contributions continue to be levied on the import of goods into Brazil, which regularly amount to 2.1(PIS)/ 9.65% (COFINS). Likewise, there are exceptions here, for example, when importing passenger cars, the tax is 2.62/12;57%.
– Merchant Marine Fees: If the products are imported by sea, approximately 25% is added to the freight costs for the expansion of the merchant marine.

5. What are the legal differences to German law?

Basically, Roman law is the basis of the Brazilian legal system, as it is for Germany. Nevertheless, there are legal differences that must be considered when importing and trading in Brazil. If a company is to be founded, a Limitada (Brazilian GmbH) can be sought for this purpose. In contrast to the GmbH, no minimum capital is required for the foundation, and the Limitada can also be founded by one person. In special cases, the private assets of the managing director can also be accessed. However, this risk can be mitigated by means of an intermediate holding company. Similar to German law, great importance is attached to employee protection in Brazil. Thorough attention must be paid to compliance with legal requirements in order to avoid costly court proceedings and possibly high compensation. Regular working hours are 44 hours per week, as opposed to 48 hours in Germany. The basic wage must also be increased annually by an agreed percentage. Brazilian employees are also legally entitled to vacation and Christmas bonuses. Finally, it should be noted that the tax burden is somewhat higher than in Germany and that there has been no double taxation agreement between Brazil and Germany since 2006.

6. Conclusion:

Despite the many hurdles that such an export to Brazil entails, trade with Brazil is extremely attractive, as Brazil is an important global player and trading partner of Germany. If a permanent establishment in Brazil is planned, the formation of a Brazilian company is highly recommended. This can save a lot of costs and make the import to Brazil faster and easier.

Dr. Bettina Schacht

Rechtsanwältin
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