SCHACHT International: Das chinesische Gesetz über Auslandsinvestitionen – The Chinese Foreign Investment Law

– English version below –

Aus deutscher Perspektive gesehen – Das chinesische Gesetz über Auslandsinvestitionen

I. Mit dem neuen Gesetz über Auslandsinvestitionen hat sich der Markteintritt für deutsche Unternehmen in China deutlich vereinfacht

Mit Inkrafttreten des Gesetzes für Auslandsinvestitionen (FIL) am 1. Januar 2020 wurden die Gesetze über chinesisch-ausländische Aktien-Joint Ventures, chinesisch-ausländische Genossenschafts-Joint Ventures und vollständig ausländische Unternehmen konsolidiert. Deutsche Unternehmen, die nun in den chinesischen Markt eintreten möchten, müssen damit grundsätzlich nur noch nach diesem neuen (einem) Auslandsinvestitionengesetz gegründet werden.

Für sie gilt nun auch das flexiblere, allgemeine chinesische Gesellschaftsrecht und kein deutlich strengerer, separater Rechtsrahmen mehr. Das neue FIL gilt dabei allgemein für alle Auslandsinvestitionen im Hoheitsgebiet Chinas und hat damit einen weiten Anwendungsbereich. Ausländische Unternehmen mit Geschäftsinteressen in China müssen sich dessen Chancen bewusst sein.

II. Angepasste Branchenkataloge bieten Chancen

Deutsche Investoren in China investieren vielfach von der neuen gesetzlichen Lage, bietet diese doch eine Angleichung der Wettbewerbsbedingungen und einen verbesserten Anlegerschutz. Das neue Gesetz über Auslandsinvestitionen hat das System zur Förderung und zum Schutz von Investitionen in China verbessert. Beschränkungen der Negativliste wurden in 2019 Beschränkungen nicht nur aufgehoben. So kam es zu Erleichterungne in bestimmten Bereichen des Finanzsektors  (Wertpapier und Lebensversicherungen).

Das FIL erleichtert die Nutzung der chinesischen Finanzmärkte durch die FIE zur Mittelbeschaffung deutlich. Aus deutscher Sicht noch interessanter ist die Erweiterung des Encouraged Industries Catalog. Davon betroffen sind insbesondere die Pharma- und Agrarindustrie, aber auch die Technologiebranche. So wird beispielsweise in der Provinz Sichuan auslandsinvestitionen in die Automobil- und High-End-Fertigung gezielt gefördert.

III. Die für deutsche Unternehmen wichtigsten Vorteile

Das FIL stärkt durch die Einführungn mehrer Vorschriften den IP-Schutz in China. Eine der Hauptbefürchtungen deutscher Unternehmen, die in China geschäftlich tätig werden wollen, ist der Schutz ihres geistigen Eigentums. Es wird sich zeigen, wie die Maßnahmen wirken, und ob das Verbot der verwaltungsrechtlichen Erzwingung von Technologietransfers oder der Unternehmensgeheimnisschutz effektiv umgesetzt werden.

Auf die von der US-Regierung im März 2018 gegen China eingereicht WTO-Beschwerde ist man mit dem FIL eingegangen. Das war ich insoweit dringend notwendig, als dass viele Arten von sensiblen IP-Vereinbarungen (z. B. Patentlizenz- oder Technologieimportvereinbarungen) bei den chinesischen Behörden registriert werden müssen.

Höchstinteressant ist auch die Schaffung eines formellen Anspruchs auf Inländergleichbehandlung ausländischer Investoren. Hier dürfte zwar zwischen Theorie and Praxis eine Lücke klaffen. Die Durchsetzung dieses Anspruches vor chinesischen Gerichten dürfte in der Praxis schwer sein. Betreffend dieses Punktes klafft wohl eine große Lücke zwischen Theorie und Praxis. Das ist allerdings kein Spezifikum für China, sondern gilt auch für viele andere Staaten weltweit. da Nichtsdestotrotz sind auch Chinas Negativlisten kürzer und diskreter geworden sind.

IV. Unsicherheiten bleiben, Risiken sind aber kontrollierbar

Das FIL erscheint dem deutschen Rechtsanwender an verschiedenen Stellen als zu vague. Es wird noch verschiedener Klarstellungen und Durchführungsvorschriften bedürfen, um für ein Mehr an Rechtssicherheit zu sorgen. Allerdings zeigt das Gesetz die zukünftige, für ausländische Investoren günstige Marschroute genau auf.

V. Sonderproblem National Security Review?

Aus unserer Sicht überbewertet sind die Bedenken zur National Security Review von ausländischen Investitionen. Wäre der Gesetzesentwurf von 2015 hierzu noch konkrete Angaben enthielt, dass ein solche Security Review Regime installiert werden wird. Regelungen sollten also noch folgen. Am 19. Dezember 2020 haben auch  China’s National Development and Reform Commission (NDRC) and Ministry of Commerce (MOFCOM) jointly issued the Measures for the Security Review of Foreign Investment (《外商投资安全审查办法》) . Diese sind am  Jan. 18, 2021 in Kraft getreten. Die 23 Artikel sollen eine klarere Rechtsgrundlage für die Stärkung der nationalen Sicherheitsüberprüfung ausländischer Investitionen in China bieten.

Diese Regelungen sind aus deutscher Sicht strenger ausgefallen, als erwartet. The Scope of the review is far-reaching. Allerdings passt das zu dem Trend, das weltweit solche Prüfungsregime verschärft werden. In the US, the CFIUS review regime has a clear intent to restrict Chinese companies’ access to critical technologies. So hat auch Deutschland sein foreign investment control (FIC) stetig weiterverschärft, so dass nun umfangreiche Prüfungsrechte des Staates bestehen. Erst jüngst traten im Juli 2020 neue Regelungen in Kraft, die die EU Screening Regulation implementieren sollen. Letzterer hat bekanntermaßen das Ziel, das investment screening innerhalb der Europäischen Union zu vereinheitlichen.

Die National Security Review stellt aus unserer Sicht daher keinerlei Grund dar, von Investitionen in China Abstand zu nehmen.

VI. Der Sprung nach China auf gefestigterem, rechtlichen Boden möglich

Das neue Foreign Investment Law in China schafft aus deutscher Sicht Rechtssicherheit, die für ein erfolgreiches Engagement in China eine zusätzliche Grundlage bildet.

Sicherlich sollten Investoren in China Chinas National Security review System im Hinterkopf behalten. Kommt es zu einer direkten oder indirekten Investition in einem von dem Prüfungsregime umfassten Sektor, sind die Prüfungsvorgaben strikt einzuhalten. Dabei sollte insbesondere der Faktor Zeit bedacht werden. Zeitplanungen müssen Puffer für obtaining national security approval vorsehen.

Zur Beantwortung von Fragen betreffend das chinesische Gesetz über Auslandsinvestitionen stehen wir gerne zur Verfügung.

Seen from a german perspective – The Chinese Foreign Investment Law

I. German investors benefit from the new Chinese Foreign Investment Law

The new Chinese Foreign Investment Law (FIL) has come into effect on January 1, 2020. The laws on Sino-foreign equity joint ventures, Sino-foreign cooperative joint ventures and wholly foreign-owned enterprises have been consolidated. German companies now wishing to enter the Chinese market are thus in principle only required to be established under this new (one) foreign investment law.  Foreign investors are now also subject to the more flexible, general Chinese company law. The elimination of a much stricter, separate legal framework is seen as a positive signal for investment in China from a German point of view.

Due to the pandemic, many investments are still on hold. This is why it is even more difficult to assess the implications of the FIL in practice. Nevertheless, the new law generally applies to all foreign investments in the territory of China and thus has a wide scope of application. German companies with business interests in China must be able to assess the FIL, too.

II. Adapted industry catalogs offer opportunities

German investors in China regularly benefit from the new legal situation, as it offers a leveling of the playing field and improved investor protection. The FIL has improved the system for promoting and protecting investment in China. We are often confronted with prejudices probably fed by media. This helps fighting incorrect ideas.

Restrictions on the negative list were not only lifted. For example, there was relief in certain areas of the financial sector (securities and life insurance) which is highly interesting for German businesses. The FIL significantly facilitates the use of Chinese financial markets by FIEs to raise funds. From a German perspective, even more interesting is the expansion of the encouraged industries catalog.

This affects the pharmaceutical and agricultural industries in particular, but also the technology sector. In Sichuan province, for example, foreign investment in automotive and high-end manufacturing is being specifically promoted. As the German economy is built on the automotive industry and China being a very important market for German automobile manufacturers, such incentives are more than welcome.

III. The most important advantages for German investors

The FIL strengthens IP protection in China by introducing several regulations. One of the main concerns of German companies wishing to do business in China is the protection of their intellectual property. It remains to be seen how the measures will work, and whether the ban on administrative enforcement of technology transfers or corporate secrecy protection will be effectively implemented. A successful strengthening of this protection surely is a strong incentive for German companies to invest in China.

The World Trade Organization complaint filed by the US government against China in March 2018 has been addressed with the FIL. As many types of sensitive IP agreements must be registered with the Chinese authorities, German investors see that comparable concerns are taken seriously by the Chinese government.

The creation of a formal right to equal national treatment for foreign investors is also interesting. There will probably be a gap between theory and practice here. It should be difficult to enforce this claim before the Chinese courts in practice. However, this is not a special peculiarity for China, but also applies to many other countries around the world.

IV. Uncertainties remain, but risks are controllable

The FIL appears to be too vague in some places for German lawyers. It will still require various clarifications and implementing regulations to provide more legal certainty. However, the law clearly indicates the future course of action favorable to German investors.

V. Special problem -National Security Review-?

In our view, concerns about the National Security Review (NSR) of foreign investments are overstated. In the meantime, further regulations have also been issued to define the NSR. On Dec. 19, 2020, China’s National Development and Reform Commission (NDRC) and Ministry of Commerce (MOFCOM) jointly issued the Measures for the Security Review of Foreign Investment (《外商投资安全审查办法》), which came into force on Jan. 18, 2021. The 23 articles are intended to provide a clearer legal basis for strengthening the NRS of foreign investment into China.

From a German perspective, these regulations have turned out to be stricter than expected. The scope of the NSR is far-reaching. However, this development fits in with the trend that such review regimes are being tightened worldwide at the moment.

In the US, the CFIUS review regime has a clear intent to restrict Chinese companies’ access to critical technologies. Germany, too, has steadily tightened its foreign investment control (FIC) so that the government now has extensive review rights. Most recently, new regulations came into force in July 2020 to implement the EU Screening Regulation. The latter is known to have the goal of standardizing investment screening within the European Union.

Therefore, in our view, the NSR is no reason to refrain from investing in China categorically.

VI. The leap to China is possible on firmer legal ground

From a German point of view, the Chinese FIL creates more legal certainty, which provides an additional basis for successful engagement in China. German mentality can also be described as very risk averse. A reason for this may also lie in the country’s history of two devastating world wars and the separation in an Eastern and Western part. All in all, this is why this increase in legal certainty is so important. We assume that the FIL is an important reason for significantly increased German investments in China in the future.

Surely, investors in China should keep the NSR System in mind. If a direct or indirect investment is made in a sector covered by the NSR, the review requirements must be strictly observed. In particular, the time factor should be considered. Timing plans must provide buffers for obtaining national security approval. But this, again, is not a special peculiarity for foreign investments in China, this is a general rule of international business.

To answer any questions regarding the Chinese Foreign Investment Law, please do not hesitate to contact us.

Dr. Stephan M. Ebner, LL. M, Esq

Attorney-at-Law (NYS, USA)
Notary Public (NYS, USA)
Rechtsanwalt
Magister Legum Wirtschaftsrecht
Magister Juris
Baccalaureus Juris